Der VW Beetle

Wer erinnert sich noch an den Film "Ein toller Käfer", der 1969 in die deutschen Kinos kam? Der mit einem autarken Eigenleben ausgestattete "Herbie" begeisterte damals das Publikum und begründete mit entscheidenden Kultstatus des VW-Käfers. Ob die Filmemacher zu der Zeit schon ahnten, dass es auch im 21. Jahrhundert einmal wirklich einen tollen Käfer geben würde, der mit seinem Charme und seinen Künsten die breite Masse begeistert, ist nicht überliefert. Dass der VW Beetle aber der real existierende Nachfolger des filmischen Wunderautos ist, ist nicht von der Hand zu weisen.

Ein Kult-Käfer als Liebhaberobjekt

Als 1997 die erste Generation des so genannten VW New Beetle Deutschlands Straßen eroberte, wollten die Verantwortlichen geschickt ihre Trumpfkarten "Tradition und Emotionen" ausspielen; das Retro-Design sollte Enthusiasten und Fans mit dem Charme vergangener "Flower Power"-Zeiten überzeugen. Heute ist klar: Das Konzept floppte zwar nicht, konnte sich in hiesigen Breitengraden aber nicht wirklich durchsetzen. Von den bis 2010 gebauten Autos (1,1 Millionen) wurden im Mutterland des Käfers nur rund 300.000 Modelle abgesetzt; der Großteil der Fahrzeuge fand in den Vereinigten Staaten geneigte Abnehmer. Zum Vergleich: Das Ur-Modell des Käfers fand von 1938 bis 2003 ca. 22 Millionen Käufer. Es lag aber nicht unbedingt an der Idee, nicht am Design und auch nicht an Fahreigenschaften: Der VW New Beetle war den Deutschen schlichtweg zu teuer. So konnte er zwar nicht die Massen für sich begeistern, aber schnell entwickelte sich eine Fan-Szene, die einen VW New Beetle als Liebhaberobjekt ansahen.

Zurück zu den Wurzeln

Nach dreizehn Jahren hatte das Liebhaberobjekt aber ausgedient und die zweite Generation des VW Beetle rollte vom Band. Und diese Wagen orientieren sich noch stärker am legendären VW Käfer und halten die Erinnerung an diesen Urahn optisch in Ehren. Die Entwickler verpassten dem VW Beetle eine flache Silhouette, konzipierten die Scheiben senkrechter als beim Vorgängermodell und ließen ihn durch seine ausladende Form breiter und bulliger wirken; kürzere Überhänge, ein Heckspoiler, der Power mit Flower vermischt und die Möglichkeit, mächtige Räder (20-Zöller) zu montieren, runden das retroaffine Aussehen ab. Das neue Styling war eine Ehrfurchtsbekundung an den kultigen VW Käfer; dabei wirkt der VW Beetle jetzt aber konzeptionell reifer, den Kinderschuhen entwachsen, ein wenig abenteuerlustig ("Herbie" lässt grüßen) und zudem sportlich.

Symbiose: Erhöhter Platzbedarf und hochwertige Ausstattung

Nicht vergessen werden sollte dabei der gestiegene Komfort, der alleine schon durch die besseren Platzverhältnisse - eine Folge der breiteren Spur und des längeren Radstandes - im Innenbereich begründet wurde. Zudem beträgt das Stauvolumen im Kofferraum jetzt satte 310 Liter; bei umgeklappter Sitzbank wird dieses Volumen auf über 900 Liter angehoben. Den Innenraum haben die Designer komplett überarbeitet; er wird nun charakterisiert durch eine hochwertige Ausstattung. Großflächige Elemente, jeweils in der Farbe des Wagens und ein komplexes Cockpit mit einem markanten Rundinstrument knüpfen vorbehaltlos an die Tradition des klassischen Käfers an. Ein zeitgemäßes Infotainment und beispielsweise Luftausströmer sind stimmig zum Gesamteindruck in die Schalttafel eingelassen worden; mit einem kräftigen und griffigen Dreispeichen-Lederlenkrad kann zusätzlich gepunktet werden.

Sparsam oder schnell - alles ist möglich

Aufgeladene Direkteinspritzer-Motoren in vier abgestuften Leistungsklassen (105, 140, 160 und 200 PS) sorgen bei den drei Benzin- und zwei Diesel-Modellen für die entsprechende Befeuerung; der 170 PS starke 2,5-Liter-Saugbenziner ist lediglich für den US-Markt konzipiert worden. Die "deutschen" Versionen sind serienmäßig mit einem 6-Gang-Getriebe ausgerüstet; nur der 1.6 TDI vertraut serienmäßig einer 5-Gang-Schaltung. Wer es schnell und rasant mag, für den bietet der VW Beetle ein Modell (Sport 2.0 TSI), das es mit seinen 200 PS auf eine Spitzengeschwindigkeit von über 220 km/h bringt. Für "Sparfüchse" empfiehlt sich dagegen eher der VW Beetle 1.2 TSI, der einen kombinierten Kraftstoffverbrauch von unter sechs Litern ausweist. Analog zu der Leistungskraft des Motors weisen die verschiedenen Beetle-Versionen CO2-Emissionswerte von 119 g/km bis 179 g/km auf.

Diese zweite Generation tummelt sich seit 2011 auf dem deutschen Markt; bereits in diesem Jahr soll die Armada dann um einen VW Beetle als Cabrio erweitert werden. Ob mit dem VW Beetle der Konkurrenz um den Mini Cooper S langfristig das Fürchten gelehrt wird, bleibt abzuwarten. Keine Frage, der Retro-Käfer hat viele Fans und wird durch sein schmuckes Aussehen neue Anhänger hinzu gewinnen. Aber die Konkurrenz wächst: Neben dem Mini Cooper S versuchen jetzt auch der Chevrolet HHR 2.4 mit seinem Capone-Image und der Citroen Pluriel auf Deutschlands Straßen kräftig durchzustarten.